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"Irgendwie hier!" Flucht - Migration - Männlichkeiten

17.05.2018 CJD Nord « zur Übersicht

Ankommen in Deutschland - Bedarfe, Herausforderungen und Ressourcen junger geflüchteter Männer in den ersten zwei Jahren in Deutschland. Eine empirische Erhebung im Rahmen des Projekts "movemen" des Bundesforums Männer. Ausführlicher Bericht ab S. 22. Den Vortrag können Sie sich ebenfalls als Video ansehen. Eine Veranstaltung der LAG Jungenarbeit in NRW e.V. mit einem Vortrag von Iris Dähnke, CJD Nord - Angewandte Sozialforschung.

Nachdem wir drei Monate zum Deutschkurs [gegangen

sind], haben wir [jetzt] keinen Deutsch-Kurs, keine

Arbeit, gar nichts. Wir sitzen nur auf dem Sofa. Nur

essen. Das ist kein Leben. Wenn du leben willst, dann

musst du Arbeit machen oder [mit Leuten] sprechen

[...] Wenn jemand keine Arbeit hat, keine Freunde oder

gar nichts, dann hat man Kopfschmerzen und wird crazy. (Hamid, 20, Afghanistan)

 

Die blödeste Situation ist, wenn es [beim Kennenlernen in

einer Diskothek] zu dem Punkt kommt, dass sie mit mir spricht

und ich ihr nicht antworten kann. Da lässt sie es und geht, weil

sie weiß, dass ich „Asylbewerber“ bin. Der schönste Moment

ist, wenn ich am Anfang mit ihr zusammen bin, mich mit

ihr bekannt mache: „Wer bist du? Wie alt bist du? Woher

kommst du?“ So. Wenn dieser erste Moment vorbei ist und sie

merkt, dass ich nicht mit ihr reden kann, lässt sie mich stehen. (Noah, 27, Irak)

 

Wenn einer von den Flüchtlingen hier etwas Falsches

macht, haben alle Flüchtlinge Angst. Zum Beispiel,

letztes Mal in Berlin [der Anschlag auf dem Weihnachts-

markt]. Die ganze Nacht habe ich gedacht: Wenn ich

morgen mit der U-Bahn fahre, gucken alle Leute mich als Flüchtling an. (Tamer, 23, Syrien)

 

Viele Leute haben Angst vor uns. [...] [Die Medien-

berichte] schaffen einen Abstand zwischen uns [und

den Deutschen]. Denn wenn ich über die Rechten

lese, dann denke ich mir ‚Oh, diese schlechten Deut-

schen!‘ Und wenn die Deutschen über uns etwas in

den Medien sehen, sagen sie sich ‚Oh, Flüchtlinge

sind alle so.‘ Wenn mich jetzt zum Beispiel jemand

fragen würde, ob ich nach Dresden fahren will, sage

ich nein. Ich denke Dresden ist wie Raqqa, dort wo

ISIS ist. Ich hätte Angst, dass mich dort jemand tötet. (Sherif, 24, Syrien)