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Modellprojekt PräRaDEx – Prävention von Radikalisierung, Distanzierung vom Extremismus

Obwohl die Zahl der Straftaten im Bereich der politisch motivierten Kriminalität im Jahr 2018 das zweite Jahr in Folge gesunken ist, verbleibt sie auf hohem Niveau. Sowohl Anhänger eines religiös begründeten Extremismus als auch rechtsextreme Straftäter stellen für die Justizvollzugsanstalten und Bewährungshilfen in Deutschland weiterhin eine Herausforderung dar. Hintergrund dieser Straftaten sind demokratiefeindliche, politische Ideologien gepaart mit Ungleichwertigkeitsvorstellungen und der Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt. Ein großer Teil dieser Inhaftierten wird nach der Haft wieder straffällig.

Gleichzeitig besteht die Gefahr der Radikalisierung im Vollzug. So haben viele junge Erwachsene, die einen Radikalisierungsprozess durchlaufen, eine kriminelle Vergangenheit, sind vorbestraft oder haben bereits Hafterfahrung. Dabei sind die vielfältigen Beweggründe und Ursachen einer Radikalisierung im Vollzug die gleichen wie außerhalb. Die Suche nach Anerkennung, Identität und Gemeinschaft, das Bedürfnis zu provozieren oder das Gefühl, Opfer zu sein und sich wehren zu müssen, können eine Radikalisierung begünstigen. Die Krisenerfahrung der Inhaftierung kann eine Öffnung  für mögliche Ideologieangebote anderer Inhaftierter auslösen, die als Agitatoren oder Rädelsführer in Erscheinung treten.

Das Modellprojekt PräRaDEx in Trägerschaft des CJD-Nord reagiert in enger Kooperation mit dem Justizministerium Mecklenburg-Vorpommern auf diese Herausforderungen, indem Radikalsierungsprozessen phänomenübergreifend präventiv begegnet und zur Distanzierung von demokratiefeindlichen Ideologien angeregt wird.

Eine der Zielgruppen des Projektes sind Fachkräfte der Justiz, die in professionellen Beziehungen zu inhaftierten oder unter Arrest stehenden Personen sowie zu Proband*innen stehen. Die Sensibilisierung des Fachpersonals (Sozialarbeiter*innen in den JVAen, Fachkräfte des Allgemeinen Vollzugsdienstes und Bewährungshelfer*innen) für den Themenbereich Rechtsextremismus und religiös begründeten Extremismus und die Stärkung ihrer Handlungskompetenzen sowie die Erweiterung ihrer Handlungsoptionen im Umgang mit radikalisierten oder radikalisierungsgefährdeten Inhaftierten bzw. Proband*innen in den genannten Phänomenbereichen stehen hierbei im Fokus. Hierfür wurde ein bedarfsorientiertes Schulungskonzept von insgesamt sechs Fortbildungsmodulen durchgeführt. In diesen wurden die Fachkräfte bezüglich beider Phänomenbereiche unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse geschult und durch eine praxisorientierte Durchführung alltagsnah sensibilisiert.

Im Rahmen von anschließenden Coachings werden die Fachkräfte für die Arbeit mit mutmaßlich radikalisierten und radikalisierungsgefährdeten Personen weiter spezialisiert, um die erworbenen Handlungskompetenzen im alltäglichen Umgang mit der Zielgruppe sicher einsetzen zu können und an andere Fachkräfte weiterzuvermitteln.

Eine weitere Säule im Projekt ist die Arbeit mit den Inhaftierten selbst. In Gruppenangeboten wird (beginnenden) Radikalisierungsprozessen präventiv entgegengewirkt und es werden Veränderungsprozesse angeregt. In Einzelgesprächen mit Proband*innen und Inhaftierten, welche nachvollziehbare Schritte der Lossagung von extremistischem Denken und Handeln erkennen lassen, werden Distanzierungsprozesse unterstützt. Entsprechend individueller Bedarfe und dem Grad der Radikalisierung, werden unterschiedliche Beratungsansätze genutzt.

Kontakt

CJD Nord

Siegfried-Marcus-Straße 20
17192 Waren (Müritz)

Mobil: 0160 91317108
Tel.: 03991 6698855
Fax: 03991 63291957

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