SAFE ZONE: News

Europäisches Seminar: “Radikalisierung von Jugendlichen durch Sport verhindern: die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie”

Das zweite Seminar unter dem Titel “Radikalisierung von Jugendlichen durch Sport verhindern: die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie” des europäischen Projektes SafeZone fand online am 31.03.2021 statt und umfasste zwei “Roundtables” an denen Experten aus Deutschland, Italien, Portugal und Slowenien sowie Sporttrainer:innen aus allen Ländern teilnahmen.  

 

Das SAFE ZONE-Projekt zielt darauf ab, zur Prävention von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus unter jungen Menschen im Sport beizutragen, indem das Bewusstsein und die Fähigkeiten von Sporttrainer:innen sowie Pädagog:innen gestärkt werden. Zudem involviert das Projekt einen behördenübergreifenden Ansatz, der alle lokalen Schlüsselakteure – Bildungs-, Sport- und Freizeitorganisationen sowie Polizei etc. – in einem Präventionsnetzwerk vereint.  

 

Das Seminar fokussierte sich auf alarmierenden Daten aus ganz Europa. Die Pandemie hat zu einem dramatischen Rückgang von Vereinszugehörigkeiten sowie sportlichen Aktivitäten geführt. Dies führte zu einer drastischen Reduzierung der Möglichkeit von Sozialisation und einem erheblichen Anstieg der Zeit, die junge Menschen im Internet verbringen. Selbst vor der Pandemie gab es Anzeichen für einen besorgniserregenden Trend unter Jugendlichen, die mehr Zeit sitzend vor dem Laptop verbringen als an der frischen Luft. Dieser Trend konnte durch die Zahlen nunmehr bestätigt werden und verschärfen den Ernst der Lage zunehmend in Hinblick auf die körperliche Gesundheit der Jugendlichen. Die Experten thematisierten in diesem Zusammenhang die Verknüpfung von körperlicher/physischer Gesundheit mit der psychischen Stabilität. Laut einer Umfrage, die während des ersten Lockdowns unter deutschen Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren durchgeführt wurde, verbrachten mehr als 45% der befragten Jugendlichen mehr als 8 Stunden pro Tag am Computer und 25% hatten alle sportlichen Aktivitäten eingestellt. Dies führte ebenso zu einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit: Durch das nichtvorhandene Sporttreiben, hat ein Gefühl der Isolation zugenommen, insbesondere bei jungen Heranwachsenden, die am stärksten betroffen sind.  

 

Soziales Unbehagen, Wut und Isolation haben nicht nur zu einer Steigerung der Gewalt geführt – wie europäische Medien häufig berichteten – sondern haben ebenfalls ein weniger sichtbares Gefühl des Unbehagens ausgelöst, welches insbesondere auf Jugendliche zurückzuführen ist. Diese Verletzlichkeit ist es nun, die die betroffenen Jugendlichen noch anfälliger für mögliche Radikalisierungen macht.  

Nach übereinstimmender Meinung der eingeladenen Experten ist es nach der kritischen Phase der Pandemie entscheidend, nicht nur eine wirtschaftliche Erholung anzustreben, sondern sich auch sozial und kulturell zu erholen. Im Besonderen ist hierbei in der Risikogruppe zu intervenieren, unter denen sich auch Kinder und Jugendliche fassen lassen. Der Sport sollte, zusammen mit der Schule, als besonderer Raum für diese Erholung gelten, und zwar aufgrund des Potenzials, die sozialen und emotionalen als auch physischen Fähigkeiten zu entwickeln.  

 

Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass der Sport einer der am stärksten von der Pandemie getroffenen Sektoren in ganz Europa war, da viele Sportvereine schließen mussten und Trainer:innen plötzlich vor der Arbeitslosigkeit standen. Eine große, gemeinsame Anstrengung wird daher erforderlich sein, damit sich europäische Sportorganisationen und Vereine wirtschaftlich erholen können, da dies eine Voraussetzung dafür ist, dass sie Kindern und Jugendlichen weiterhin immense wichtige Freizeit- und Sozialräume bieten können. 

 

#SAFEZONE – der Einfluss der #Pandemie: mehr gefährdete Kinder und Jugendliche, mehr Engagement im Sport erforderlich, um das Wohlergehen von Jugendlichen zu fördern und Radikalisierungsrisiken zu verhindern. @EU_Commission 

Dokumentation „Schwarze Adler“

Dokumentarfilme über den deutschen Fußball wurden seit jeher über Triumphe erzählt. Vom legendären Endspiel 1954 in Bern über Franz Beckenbauer bis hin zu Günther Netzer, dem Sommermärchen 2006 oder die Erfolge von Silvia Neid mit der Frauennationalmannschaft. Die Dokumentation „Schwarze Adler“ nimmt hierbei einen Perspektivwechsel vor und betrachtet die persönlichen Geschichten von People of Color (PoC) im Trikot der deutschen Nationalmannschaft seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Eine bewegende und aufwühlende Dokumentation, die den Betrachtenden drastisch verdeutlicht, dass struktureller Rassismus schon immer in der Gesellschaft etabliert war und auch weiterhin etabliert ist.

Im Jahr 1997 spielen Otto Addo und Gerald Asamoah gemeinsam für Hannover 96 im entscheidenden Relegationsspiel gegen Energie Cottbus. Beide werden gezielt beleidigt und mit Bananen beworfen. Eine Extremerfahrung, wie Asamoah später berichtet. Trotzdem entscheidet er sich für die deutsche Nationalmannschaft, Otto Addo hingegen entscheidet sich für die Nationalmannschaft von Ghana – auch, weil er sich aufgrund der Anfeindungen nicht als Deutscher fühlt.

Fast 10 Jahre später erlebte das Gastgeberland Deutschland die Fußballweltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Multikultureller Austausch, fröhliche Menschen überall und strahlende Spieler. Mittendrin ist damals auch Gerald Asamoah, selbsternannter Mannschafts-DJ und Inbegriff der herzlichen Atmosphäre in Deutschland. Hätte man die Stimmung des sogenannten „Sommermärchens“ anhand eines Bildes abbilden müssen, so wäre es sicherlich der strahlende Gerald Asamoah gewesen, der sowohl die Spielfreude als auch die gesellschaftlich gelöste Stimmung in sich vereinte und ein Land repräsentierte, welches Rassismen scheinbar endlich überwunden sah.

Lediglich drei Monate später, nur einen Tag nach der Satzungsaufnahme des Anti-Rassismus-Paragraphen beim DFB, scheint dieses Bild aus den Köpfen verschwunden. Im DFB-Pokalspiel gegen Hansa Rostock wird Gerald Asamoah lautstark von den Rängen mit Affenlauten bedacht und fortlaufend rassistisch beleidigt. Die Fußballwelt sieht in Echtzeit die zunehmende Verzweiflung des Spielers, der ungläubig in die hasserfüllten und radikalisierten Gesichter der Zuschauer blickt.

Dies ist lediglich eine von insgesamt vierzehn Geschichten, die die Dokumentation nachzeichnet – von den ersten PoC-Nationalspieler Erwin Kostedde und Jimmy Hartwich, über Anthony Baffoe und Otto Addo bis hin zu den Frauennationalspielerinnen Steffi Jones und Shary Reeves sowie den Jungnationalspielern Jordan Torunarigha und Jean-Manuel Mbom. 

Was hängen bleibt, ist die traurige und bittere Erkenntnis, dass Rassismen und Diskriminierungen weiterhin fest verankert sind. Diese müssen dabei nicht unbedingt lautstark in Erscheinung treten, sondern können auch subtil stattfinden: während des Fußballtrainings, im Umgang mit anderen Spieler:innen oder auch im Alltag. Umso wichtiger erscheint es, Bildungsprogramme wie SafeZone umzusetzen und weiterzuentwickeln, um Radikalisierungen vorzubeugen und Trainer:innen als Multiplikator:innen auszubilden. Falls jemand daran gezweifelt hat, gibt der Dokumentarfilm die Antwort darauf.

Die Dokumentation ist aktuell bei Amazon Prime Video sowie ab dem 18.06.21 im ZDF und der ZDF-Mediathek auf Abruf verfügbar. Zudem erscheint im Sommer eine Version mit englischen Untertiteln für den internationalen Bereich.

Online-Seminarreihe zur Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung für Trainer*innen im Jugendfußball

Mit organisatorischer Unterstützung des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) wurde für Trainer*innen von Jugendfußballmannschaften die online-Seminarreihe auf der Homepage des Verbandes und durch unterstützende Kommunikation von Seiten der Verbandsreferenten Herrn Andy Watzlawczyk (Soziales) und Herrn Paul Musiol (Qualifizierung) zu den interessierten Trainer*innen beworben. Der Ankündigungstext zur Seminarreihe wurde auf der Homepage (https://www.shfv-kiel.de) folgendermaßen veröffentlicht:  

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Sportfreunde, der Fußball ist für viele Jugendliche ein wichtiger Bereich der Sozialisation und Erziehung und spielt eine bedeutende Rolle in deren Entwicklung. Sportvereine und ihre Umgebungen können leider auch Plattform und Bühne für Radikalisierungsprozesse von jungen Menschen sein. Den Trainer*innen und Betreuer*innen kann deshalb eine Schlüsselrolle bei der Prävention zukommen: Sie sind diejenigen, die eine relevante pädagogische Rolle innehaben und die jungen Mitglieder in ihrer Entwicklung begleiten. Allerdings sind Radikalisierungsprozesse oftmals schwer auszumachen und/oder es fehlt an geeigneten Mitteln, diesen begegnen können. Zur Sensibilisierung für das Thema bietet der SHFV in Kooperation mit dem CJD (www.cjd-nord.de) vier Online-Seminare mit jeweils einem Wiederholungstermin zur Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung im Jugendfußball an. Das Projektteam beim CJD – Gloria Glogau und Eckart Müller-Bachmann – vermittelt themenrelevante Informationen, skizziert Maßnahmen zur Prävention von Radikalisierungsprozessen Jugendlicher in Sportvereinen, zeigt Handlungsempfehlungen auf, stellt Lernmaterialien zur Verfügung und beantwortet Fragen in lockerer Interaktion mit den Teilnehmenden. Die Online-Seminare werden über das Videokonferenz-System BlueJeans durchgeführt. (…)“

An vier Terminen wurden die Seminare unter folgenden Titeln abgehalten: Einführung und Kurzvorstellung der Themen "Sensibilisierung", "Prävention" und "Alternativen" am 05.03, anschließend am 17.03. unter der BezeichnungSchwerpunkt Sensibilisierung: Was bedeutet „radikal“?“, darauf folgend am 20.04. unter dem Titel Schwerpunkt Prävention: Welche Rolle spielen Trainer*innen?“ und abschließend am 26.04. Schwerpunkt Alternativen: Gegenreden zu extremistischen/radikalen Erzählungen“.

Die Anzahl der Teilnehmer*innen lag zu jedem der o.g. Termine bei zehn Teilnehmenden, unter anderen waren Jugendfußballtrainer*innen und DFB-Stützpunkttrainer*innen und externe Referenten anderer Fußballverbände zu gegen. Die Seminare waren angesichts der knapp bemessenen Zeit (105 Minuten je Seminar) größtenteils im Vorlesungscharakter konzipiert, beinhalteten dennoch interaktive Elemente, in denen die Trainer*innen kurz über Aspekte des Skizzierten sprechen konnten bzw. ihre Erfahrungen mit angesprochenen Sachverhalten aus dem eigenen Trainings- und Spielbetrieb schildern konnten. Die Teilnehmenden schätzten die theoretischen Inhalte der durchgeführten Seminare und baten in einzelnen Beiträgen um eine Fokussierung auf die Anwendbarkeit theoretischer Inhalte in die Praxis. Die angesprochene Verhältnismäßigkeit spiegelt letztlich auch die größte Schwierigkeit der jeweiligen Seminarkonzeptionen; das Projektteam war sich einerseits nicht sicher, inwiefern die konzipierten Inhalte zu Theorie lastig seien und andererseits auch unsicher, wie sie die praktische Anwendbarkeit einzelner Sachverhalte in dem der Pandemie geschuldeten Onlineformat der Seminare vermitteln sollten. Letztlich lässt sich aus Sicht des Projektteams reflektieren, dass die vorgesehene Zeit für die geplante Wissensvermittlung recht knapp bemessen war, diese Bemessung aber wiederum vor dem Hintergrund der ehrenamtlichen Tätigkeit der Trainer*innen und deren entsprechend geringem Zeitbudget nur begrenzt geschehen konnte. Eine abschließende Evaluation durch die Teilnehmenden generiert eventuell weitere Kritik und zusätzliches Lob.

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Kontakt

CJD Nord
Lange Straße 41
24306 Plön

Tel.: 04522 765 73 92

Eckart Müller-Bachmann Gloria Glogau

Projektbeteiligte

Instituto Psicoanalitico per le Ricerche Sociali
Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands e.V.
Universidade Católica Portuguesa
Alma Mater Europaea
Centro Sportivo Italiano
MMA Klub Maribor
Instituto Português do Desporto e Juventude, I.P.